Ich bin schon ein Jahr. Ein Jahr, noch eines, noch eines. Ich trage, ich schleppe, ich wuchte dein Ding. Deines und nicht meines gar. Ich kann nicht mehr, nicht noch ein Jahr. Ich habe es genommen einst, das ist klar. Doch ich kann es nicht noch ein Jahr. Die Jahre, sie ziehen in das Land, habe es lange nicht erkannt. Sie ziehen, sie ziehen immer schneller und schneller, was trage ich da aus deinem Keller? Was hast du mir aufgehalst, was habe ich genommen, getragen, was habe ich dir abgenommen?
Was tragen Generationen, Ahnen gar? Ich schaffe es nicht, nicht noch ein Jahr. Ich habe einst genommen dein Leid, es zu meinem gemacht, ich trage dein Kleid. Ich trage es, doch es kleidet mich nicht, sehe nur dein trauriges Gesicht. Deine Tränen, deinen Schmerz, er bricht mir noch mein junges Herz. Ich kann kaum sehen, kann kaum schlafen, höre dein Schluchzen, höre dein Klagen.
Wie helfe ich dir nur? Ich bin da. Ich reiche dir die Hand, doch du nimmst sie nicht. Du nimmst sie nicht und so nehme ich dich. Nehme dir ab einen Teil deiner Last, die Last, die dir einst hat gebracht deine Mutter, dein Vater gar. Und das ging so von Jahr zu Jahr.
Wer gibt uns mein, wer gibt uns dein? Wer trägt die Last immer wieder in den Schacht hinein? Wer greift sie immer wieder und wieder? Es ist nun Schluss, ich gehe als Sieger. Als Sieger aus dem Ganzen hinaus und aus ist ein für alle Mal der Graus.
Ich löse mich von diesem Gewicht. Ich löse mich, gib es ab, will nie wieder in deinen Schacht. Will nie wieder deine Tränen sehen, kann dein Stöhnen nicht verstehen. Habe mir den Kopf zermartert und zerbrochen. Gebrochen ist mein Herz, darin sitzt ein großer Schmerz.
Du hast meine Hilfe nicht anerkannt, weg stießest du meine Hand. Du hast sie nicht genommen und so ist alles in mir geronnen. Ich bin nun frei und doch frage ich mich: Hast du sie nicht gesehen, meine Hand? Oder hast du sie wirklich verbannt? Konntest du sie nicht nehmen oder wolltest du mich verhöhnen?
Was tatest du, wie hast du es gemeint? Mein Kopf zerbricht, die Gedanken sind rein. Reihen sich dicht an dicht, ich sehe nicht mehr dein wahres Gesicht. Kann nicht mehr erkennen, was ist dein und mein. Drehe mich nur noch im Kreis.
Das Kreisen darf nun stoppen, ich darf stehen. Darf mich selbst im Spiegel ansehen. Dort erblicke ich meinen Schmerz. Doch auch mein reines Herz kann ich sehen, kann meine eigenen Wege gehen. Kann mich ganz verlassen auf mein Gefühl, es ist mein Wegweiser, nicht zu viel.
Die Gefühle übermannen mich stark, sie treiben mich noch in den Sarg. Doch diese lasse ich nun frei fließen, dann kann ich damit meine Blumen gießen. Die Blumen tief, tief in mir drin. Sie dürfen nun erblühen, mein Leben macht wieder Sinn.
Ich fühle, ich vertraue, ich lache gar, ja das ist ganz wunderbar. Jedes Gefühl, es darf nun sein. Darf hier sein bei mir, ich nehme es zu mir. Tief in den Arm nehme ich jedes Gefühl von mir. Alles darf da sein, dann gibt es ein Wir.
Ein Wir, harmonisch, ehrlich und doch bedacht. Heraus steige ich nun aus meinem Schacht. Gebe frei, was ich einst hab genommen, lasse es in die Lüfte steigen, in den Himmel hinein.
Ich bin frei. Endlich bin ich frei und du mit mir.
In Liebe
deine Seele
