Ich bin dein Kind. Dein Begleiter, deine Liebe. Wo sind die ganzen Diebe? Wer stiehlt mir, was ich mir einst erschaffen habe? Wo sind die Knochen, die ich ausgrabe? Wo ist das Gold, wann steigt es empor? Nur Knochen, und die werden mir genommen. Nicht mal Knochen sind mir vergönnt?

Wo ist der Teich? Wo ist die Fülle? Wo ist der Teich mit goldenem Wasser? Ich will es trinken, noch und nöcher. Aber ein einziger Schluck, das wäre schon genug. Ein einziger Schluck, der täte mir so gut. Einmal aus den Vollen schöpfen. Einmal reich an allem, was da ist. Reich an Liebe, reich an Schönem, reich an schönen Dingen in mir.

Wann kann ich in dem See gar schwimmen? Wann kann ich schwimmen ganz in mir? Wann fängt das schöne Leben an? Wann bin endlich ich mal dran? Wann bin ich die Wichtigste, die Schönste? Wann werde ich reich beschenkt? Wann werde ich geachtet in jeder Beziehung? Wann, wann, wann?

Ich warte. Ich warte und ich warte, weiß nicht wohin. Weiß nicht wohin mit meiner Gabe, weiß nicht wohin mit meiner Liebe, weiß nicht, was ich will und was ich bin. Weiß nur, dass ich klage, weiß nur, dass ich nage. Ich nage an einem Tuch, das mir nicht schmeckt. Wer hat diesen Tisch gedeckt? War ich es gar selbst mit schüchterner Hand? Habe ich mich selbst verbannt? Habe ich mich selbst hinter eine Wand gestellt? Habe ich mir selbst versagt alles Geld?

Bin ich mein eigener Richter? Bin ich mein eigener Chef? Streng wie ein Lehrer, dem nichts gefällt. Wo ist die Welt, die Welt da draußen? Wo ist das Abenteuer, wo ist die Lust? Wo ist die Freude am wahren Sein? Wann bin ich endlich ganz mein? Wann bin ich mein Vorbild, mein Leiter? Wann erklimme ich ganz alleine die Leiter? Wann kann ich sagen: Ich bin, wie ich bin?

Wann hört es auf? Wann zeige ich dahin? Wann zeige ich nicht mehr mit dem Finger auf mich? Wann sehe ich mir wahrhaft ins Gesicht? Wann betäube ich mich nicht mehr, weder das Gute noch das Schlechte?

In mir, da ruhen wahre Schätze. Doch auch die Schätze betäubst du oft. Zu gut, zu schön, das darf so nicht weitergehen. Die eigene Schranke vor deinem Gesicht, sie versperrt dir alle Sicht. Die Sicht auf die Wahrheit und die Wahrhaftigkeit. Nimm die Schranke ab und du bist befreit.

Die Schranke, sie ist dein Schutz vor dir selbst. Dadurch siehst du nur die halbe Welt. Dadurch siehst du weder dich noch mich in dem wahren Glanz, der dir steht im Gesicht. Die wahre Größe, die wahre Macht.

Doch ich sehe, du hast es bald geschafft. Du kannst nun einfach die Augen öffnen. Und ich sage dir, was du dann siehst: Dich. Ohne Schale, ohne Schutz. Dich, nur dich. Ohne zweites Gesicht. Ohne Mauer, ohne Beschönigung. Nur dich. Und das ist genug. Das ist gut. Das ist schön, einem Wunder gleich. 

Ein Wunder, das ist ganzschön reich. Reich an all den schönen Dingen, um die du denkst, du müsstest ringen. Schönheit, Strahlkraft, Macht und Reichtum gar. Fähigkeiten, von denen träumst du ja. Ein Licht so hell, es blendet einen jeden. Von dir brauche ich da gar nicht reden.

Wenn du dich erkennst in vollem Glanz, dann bist du geblendet voll und ganz. Wenn du das erkennst, wenn der Schleier sich lüftet, dann, Geliebte, fliegst du nur noch durch die Lüfte. Ehrlich und rein. So soll es sein.

In Liebe
deine Seele